Schadstoffe in der Innenraumluft

Verschiedene physikalische, chemische und biologische Faktoren beeinflussen die Innenraumluft. © Rainer Sturm / pixelio.de.Heutzutage ist der Innenraum zum typischen Aufenthaltsort des modernen Menschen geworden; oft werden hier bis zu 90 Prozent der Zeit verbracht.

Pro Tag atmet ein Erwachsener durchschnittlich etwa 20 Kubikmeter Luft ein und aus. Dieses Luftvolumen entspricht einer Masse von ca. 25 Kilogramm, sie übersteigt damit bei weitem die Masse an pro Tag verzehrten Lebensmitteln und Trinkwasser.

Während Lebensmittel und Wasser sorgsam ausgewählt werden können, ist dies bei der Luft in der Regel nicht möglich. Grund genug, der Qualität der Innenraumluft Aufmerksamkeit zu schenken.

In der vorliegenden Information werden Schadstoffquellen im Innenraum und Beziehungen zu möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen aufgezeigt sowie Empfehlungen zur Verbesserung der Innenraumluft gegeben.

Dabei steht der typische Wohn- und Schlafraum im Vordergrund. Vieles lässt sich jedoch auch auf andere Innenräume wie z. B. Büros, Kindertagesstätten, Schulen und Veranstaltungsräume übertragen.

Dies gilt nicht für das Arbeitsumfeld, das gesetzlich in besonderer Weise geregelt und kontrolliert wird. 

Innenraum – Definition

  • In Privatwohnungen sind Innenräume alle Räume inklusive Küchen, Badezimmern, Abstellkammern und Kellerräumen.
  • In der Arbeitswelt sind Innenräume alle Räume, die nicht speziell der Gefahrstoffverordnung unterliegen.
  • In öffentlichen Gebäuden sind Innenräume alle Säle, Zimmer, Foyers, etc. von Theatern, Krankenhäusern, Schulen, Kindertagesstätten, Sporthallen, Bibliotheken, Restaurants, Kinos und anderen Gebäuden.
  • Auch der Fahrgastraum von Fahrzeugen des öffentlichen und privaten Verkehrs wird zum Innenraum gezählt.

Innenraum vs. spezielle Arbeitsplätze – die Unterschiede

An Arbeitsplätzen, an denen mit chemischen Substanzen umgegangen wird, die ein potenzielles Gesundheitsrisiko aufweisen, gelten Grenzwerte nach der Gefahrstoffverordnung. Hier sind unter Umständen höhere Konzentrationen akzeptabel. Dies trifft für Innenräume nicht zu. Konkret heißt dies, dass z.B. eine Formaldehydbelastung eines Büroraums wie eine Wohnraumbelastung zu betrachten ist.

Einflüsse auf die Innenraumluftqualität

Verschiedene Quellen haben Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft. Dazu gehören neben chemischen Faktoren auch physikalische oder biologische Einflüsse.

Unter chemischen Faktoren werden Gase, organische Verbindungen, Partikel, Stäube und Fasern zusammengefasst. Auch Gerüche zählen zu den chemischen Faktoren.

Luftfeuchte und Luftgeschwindigkeit sind Beispiele für physikalische Faktoren.

Biologisch können z.B. Viren, Bakterien, Schimmelpilze und Allergene eine Rolle spielen.

Nutzungsgewohnheiten

Tabakrauch ist immer noch einer der wichtigsten und leider auch einer der häufigsten Innenraumluftschadstoffe. Ihm ist ein eigener Informationstext gewidmet und er wird daher hier nicht gesondert betrachtet.

Viele Innenraumluftschadstoffe sind auf unsere eigenen Tätigkeiten und Gewohnheiten zurückzuführen. Die unkritische Anwendung von Bioziden (Holzschutzmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Elektroverdampfer, Teppichausrüstung usw.), übermäßiger Einsatz von Reinigungs-, Pflege- und Desinfektionsmitteln (Möbelpolituren, Fußbodenreinigungs- und –pflegemittel), sowie Hobbytätigkeiten (z.B. Klebe- und Lackierarbeiten) können die Innenraumluft negativ beeinflussen.

Pflanzen und Zimmerspringbrunnen tragen einerseits zu einem behaglichen Raumklima bei, können sich andererseits auch zu Schimmel-/ Allergenquellen entwickeln.

Lifestyle-Artikel (z.B. Duftlampen, Räucherstäbchen) und Produkte mit fraglichem Nutzen (Raumluftsprays, Duftgels, Toilettensteine) haben Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.

Eine erst kürzlich identifizierte Quelle zahlreicher Innenraumschadstoffe (Kohlendioxid, Stickstoffdioxid, Formaldehyd, Feinstaub) sind mit Bio-Ethanol betriebene Feuerstellen ("Bioethanol Kamine") (Schripp et al. 2014).

Seit einiger Zeit wird die Verwendung von Duftstoffen im Kinderspielzeug kritisch hinterfragt. Die Spielzeugrichtlinie sieht u.a. ein Verbot allergieauslösender Duftstoffe im Spielzeug vor. 

Duftstoffe und Allergien: Einige Duftstoffe können allergische Reaktionen der Haut (Kontaktallergien) auslösen. Es sind allerdings keine Fälle bekannt, in denen über die Atemwege aufgenommene Duftstoffe die Ursache für allergische Reaktionen gewesen sind (vgl. "Duftstoffe").

Stand: 29. Januar 2018 - 10:27 Uhr

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